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Ein Entwurf wird konkreter

Münster - Das 40-Millionen-Euro-Projekt am Alten Fischmarkt wird Ende Januar wieder auf der Tagesordnung des Planungsausschusses stehen. Diesen Zeitraum will Jörg Preckel vom Architekturbüro Pfeiffer/Ellermann/Preckel, von dem der Entwurf für die Bebauung stammt, nicht ungenutzt verstreichen lassen. „Ämterrunden“, in denen er das Vorhaben mit der Verwaltung abstimmt, stehen derzeit ebenso auf dem Programm wie die Konkretisierung der im November erstmalig vorgestellten Pläne der münsterischen Familie Lohmann.

Dass die Bebauung nicht mit den ersten Animationen absolut identisch sein wird, steht für Preckel außer Frage. „Wir haben zunächst eine Typologie von Häusern entworfen, jedes Haus wird in der nächsten Zeit noch einzeln unter die Lupe genommen“, unterstreicht der Architekt. „Der Entwurfsprozess geht gerade erst los.“ Materialien, endgültige Höhe - eine abschließende Klärung solcher Fragen stehe erst noch bevor, unterstreicht Preckel. Ende Januar will er die Ergebnisse dieses Klärungsprozesses im Ausschuss präsentieren. So lange will Wolfgang Heuer, SPD-Fraktionschef und planungspolitischer Sprecher seiner Partei, offenbar nicht warten. Gleich eine ganze Reihe von kritischen Fragen enthält ein Brief, den er jetzt an Stadtdirektor Schultheiß geschickt hat. Zwar betont Heuer, „im Grundsatz kein Problem“ mit dem Projekt Alter Fischmarkt zu haben. Ihn treibt allerdings die Frage um, ob die von den Architekten im Ausschuss präsentierten Planungen höhenmäßig ins Umfeld passen.

So merkt Heuer an, dass nicht nur jene Nachkriegshäuser, die voraussichtlich 2010 der Abrissbirne zum Opfer fallen sollen, nur maximal zweieinhalb Geschosse haben, auch die historischen Vorkriegsbauten seien zum Teil niedriger gewesen als jene Häuser, die die Familie Lohmann gerne errichten würde. Eine höhere Neubebauung ist zwar nicht unbedingt zum Nachteil des Projekts, betont Heuer - gleichwohl möchte er, dass „historische Fakten“ auf den Tisch kommen. Doch ist es überhaupt notwendig, ein neues Vorhaben der Geschichte eines Areals anzupassen? „Eine historische Betrachtung spielt überhaupt keine Rolle“, sagt Preckel. „Hätte man nach dem Krieg das Theater historisch betrachtet, hätte man das neue Gebäude nie so gebaut.“ Obschon Preckel eine Diskussion über Höhenverhältnisse als richtig bezeichnet, weist er auf die „heterogenen Höhenverhältnisse in der gesamten Altstadt“ hin. Soll heißen: Hohe und niedrige Häuser wechseln sich ab - und sorgen für eine „lebendige Höhenstruktur“. Auch am Alten Fischmarkt war das früher der Fall, wie historische Aufnahmen belegen.

Während Heuer bei der Gebäudehöhe die Geschichte ins Spiel bringt, kann er sich bei der Gestaltung etwas vorstellen, das es am Alten Fischmarkt noch nie gegeben hat: Arkaden, „denn dann wäre die Neubebauung auch bei schlechtem Wetter für Kunden attraktiv“. Preckel kann diesen Vorschlag gar nicht nachvollziehen: „Die würden ins Leere laufen, weil einige Nachbargebäude, die keine Arkaden haben, stehen bleiben werden.“ Der Architekt warnt daher vor „Stückwerk“ - und verweist ansonsten auf die kommende Sitzung des Planungsausschusses“.

 

WN-online.de, 20.12.2009

 

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