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Alter Fischmarkt: Vom Zapfhahn bis zur Murmel

Ein Zapfhahn aus Bronze, die knochigen Zähne eines Langzinkenkamms und Tonmurmeln, die Vorläufer des heutigen Spielzeugs sind: Die Archäologen entdecken bei Grabungen am Alten Fischmarkt Gewöhnliches, aber auch viel Ungewöhnliches.

In zwei Wochen schließt sich das Zeitfenster für die Forscher, weil dann die oberirdischen Bauarbeiten auf den riesigen Eckgrundstück gegenüber vom Theater beginnen. „Wir haben jetzt das 9. Jahrhundert erreicht“, sagt Grabungsleiter Dr. Ulrich Holtfester. Wegen der starken Regenfälle gibt es Verzögerungen, viel Zeit ging durch das Auspumpen und Abdecken der ausgebuddelten Kellergewölbe verloren. Und weil es keine „Verlängerung“ geben kann, motiviert Holtfester seine neun Studenten zum Endspurt. Damit die Experten noch rechtzeitig die wohl interessanteste, weil älteste Schicht in zwei Metern Tiefe in Ruhe untersuchen können, kam gestern ein Bagger zum Einsatz. Die lehmigen und schweren Auffüllschichten wurden ausgekoffert, sie sind für Archäologen wenig ergiebig.

Fundamente aus dem 12. und 13. Jahrhundert wurden inzwischen freigelegt, die Grabungsmannschaft nähert sich nun den ganz frühen städtebaulichen Exponaten. Jeder Zentimeter Erdreich muss jetzt penibel freipräpariert werden, damit auch kleinste Fundstücke wie Münzen oder Tonfragmente nicht einfach in der Eile des Gefechts übersehen werden.

Das schon vor Wochen entdeckte Erdfass ist viel tiefer im Boden verankert, als erwartet. Am Rande der alten Gewölbe sind Spuren der ehemaligen Lilienbeke entdeckt worden. Das Flüsschen schlängelte sich früher am Alten Fischmarkt, dem wichtigsten Handelsplatz der Region im Mittelalter, vorbei.

Inzwischen sind mehrere 1000 Exponate in Plastiktüten, kleinen Pappkartons und größeren Transportbehältern gesichert und katalogisiert. Im Fundmagazin der Stadtarchäologen in der Speicherstadt Coerde werden nun intensive und zeitaufwändige Untersuchungen folgen.

 

MZ-Online, 20.08.2010

 

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