english

Die Mischung stimmt noch

Am Alten Fischmarkt müssen weitere Geschäfte mit Mieterhöhungen rechnen, weil das Viertel trendy wird

In der Innenstadt gibt es immer mehr Filialen? Das Gesicht der Straße wird immer uniformer? Es gibt in Münster nur noch das, was es überall gibt? Diese Befürchtungen, die immer wieder geäußert werden, haben keine Grundlage. Noch immer werden genau 41 Prozent aller Geschäfte von örtlichen Einzelhändlern geführt. Gestern war bekannt geworden, dass sich die Lamberti-Apotheke künftig die steigenden Mietpreise am Alten Fischmarkt nicht mehr leisten kann und deswegen schließen muss. Inhaberin Brigitte Lünnemann sollte einen neuen Mietvertrag unterschreiben, der eine „Steigerungsrate von 80 Prozent“ beinhaltete, wie sie sagte.

Erhöhung angekündigt

Auch beim direkten Nachbarn, dem Musikhaus Brüggenthies, ist eine Mieterhöhung schon angekündigt. „Aber das ist ja auch in Ordnung, schließlich werden wir hier durch den Bau des Alten Fischmarktes zu 1-A-Lage“, sagt Inhaber Heribert Brüggenthies. Um wieviel Euro seine Miete steigen wird, weiß er aber noch nicht. Direkt daneben liegt der Oxfam-Shop. Er verkauft gebrauchte Waren zu billigen Preisen, der Erlös kommt wohltätigen Zwecken zugute. Oxfam ist nicht in Gefahr: „Wir haben erst im vergangenen Jahr einen neuen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen“, sagt Oxfam-Pressesprecherin Svenja Koch. Man verstehe sich gut mit dem Vermieter, eine Mieterhöhung habe es nicht gegeben. Mindestens fünf Jahre lang wird Oxfam nun Ruhe haben. Trotzdem: Es spricht viel dafür, dass die übrigen Geschäfte am Alten Fischmarkt mit Mieterhöhungen rechnen müssen. Die Straße ist bei den Maklern zurzeit als „Nebenlage“ gelistet. Will heißen: wenig Laufkundschaft, für münstersche Verhältnisse niedrige Mieten. Doch spätestens, wenn der neue Alte Fischmarkt eröffnet ist und die Kundenfrequenz steigt, werden die Vermieter merken, dass sie höhere Mieten verlangen können, weil auch die Umsätze der Geschäfte steigen. „Für den Vermieter ist es dann ohne Belang, ob sein Mieter eine Apotheke betreibt oder einen Textil-Handel“, sagt Dr. Thomas Robbers, Chef der Wirtschaftsförderung. Und dann entstehe die reale Gefahr, dass inhabergeführte Geschäfte weichen, weil sie Spitzenmieten von bis zu 150 Euro pro Quadratmeter und Monat nicht zahlen können. Dem Vermieter könne man dies nicht anlasten, meint Robbers. Schließlich sei er nicht dafür verantwortlich, dass es in der Innenstadt eine interessante Mischung gebe. „Interessante Mischung“, das ist offenbar das, was Münster noch immer hat und es deswegen so attraktiv für Einkaufstouristen macht. Der Anteil an Filialisten liegt bei rund 58 Prozent, der Rest der Läden in den guten Lagen Münsters wird von münsterschen Händlern geführt. „Wir haben da einen großen Vorteil gegenüber anderen Städten“ sagt Robbers. Der Immobilienexperte Lührmann erlaubt den Quervergleich: In Osnabrück ist die Lage ähnlich: 37 Prozent der Geschäfte gehören örtlichen Händlern. In Bielefeld sind es nur 27 Prozent, in Dortmund gar nur 25 Prozent. Dreiviertel aller Geschäfte in diesen Städten sind also Filialisten und damit verwechselbar. Eine hohe Kaufkraft sorgt in Münster dafür, dass sich trotz hoher Mieten noch viele lokale Einzelhändler halten können. Rund zehn Prozent vom Umsatz rechnen Händler für die Miete ein.

Ludgeristraße ist am teuersten

Lührmann hat seiner neuesten Erhebung die Mieten dokumentiert, mit erstaunlichen Ergebnissen: Die Stubengasse hat sich mit einer Höchstmiete von 90 Euro pro Quadratmeter direkt in die erste Liga katapultiert. Der Alte Fischmarkt hat bereits jetzt sein Hinterhof-Image abgelegt und kostet bis zu 90 Euro. Am teuersten ist es immer noch an der oberen Ludgeri-Straße: Sagenhafte 125 Euro kostet der Quadratmeter Geschäftsfläche. Dagegen ist es am Prinzipalmarkt mit 95 Euro pro Quadratmeter fast billig. Zum Vergleich: Die beste Lage an Dortmunds Westenhellweg kostet die Einzelhändler bis zu 200 Euro. Jedoch: Inhabergeführte Geschäfte findet man dort kaum.

MZ, 09.12.2011

 

[zurück]

Impressum Datenschutz