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Skelettfund am Alten Fischmarkt

Archäologen entdecken Überreste eines Rindes aus dem 14. Jahrhundert.

Die Ausgrabungen am Alten Fischmarkt haben den Archäologen einen weiteren Überraschungsfund beschert. In einem mittelalterlichen Hinterhof sind sie auf das Skelett eines Rindes gestoßen. Nach Einschätzung von Stadtarchäologin Dr. Aurelia Dickers verendete das Tier im 14. Jahrhundert. Die Überreste sind nahezu komplett erhalten geblieben. „Vermutlich war es krank – sonst wäre es vollständig verwertet worden“, sagt Dickers. Grausames Detail: Der Kopf des Tieres wurde nach dessen Tod abgehackt – damit der Kadaver in die vorgesehene Grube im Hinterhof passt. Noch am Donnerstag räumten die Archäologen das Skelett komplett ab und brachten es in ihr Fundmagazin in der Coerder Speicherstadt. Doch nicht nur diese Entdeckung macht die Ausgrabungen am Alten Fischmarkt, wo ab Herbst ein 40 Millionen Euro teurer Wohn- und Geschäftskomplex entsteht, immer mehr zu einem Glücksfall. Die Funde, die die Archäologen in den vergangenen Wochen gemacht haben, reichen bis in die Anfangszeit der Stadtgeschichte zurück. „Nur am Überwasserstift gab es bislang Befunde, die ähnlich alt sind“, betont Dickers. Und die Ausgrabungen sind noch nicht zu Ende: Bis Ende August werden sich die Forscher noch etwa einen halben Meter tiefer in Münsters Vergangenheit graben. Am Alten Fischmarkt hat ihr Team nicht nur den Keller eines reichen mittelalterlichen Händlers oder Handwerkers freigelegt – in einer Ecke des Kellers stieß es zudem auf Pfostengruben, in denen einst drei Holzpfosten von Fachwerkhäusern standen. „Sie stammen wohl aus dem neunten Jahrhundert“, so Dickers. Noch älter dürfte der Friedhof sein, den die Archäologen vor einigen Wochen wenige Meter entfernt entdeckt hatten. Die Skelette wurden nach Dickers´ Einschätzung vor 793 bestattet – „sonst wären sie in der Nähe einer Kirche beerdigt worden“. Immer mehr Funde helfen den Archäologen dabei, die Siedlungsgeschichte am Alten Fischmarkt zu rekonstruieren. Sie entdeckten Keramik, die im neunten Jahrhundert vom Rheinland nach Münster kam, drei Fässer, in denen wohl im Mittelalter Leder gegerbt wurde, und das Mundstück eines Dudelsacks, auf dem im 12. Jahrhundert geblasen wurde. „Wir bekommen zunehmend die Vorstellung, wie das hier früher ausgesehen hat“, frohlockt Dickers.

 

WN, 06.08.2010

 

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