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Viel Lob bei leisem Tadel

Neubau am Alten Fischmarkt stößt im Planungsausschuss auf Sympathie

Ausgerechnet mit einem Versprecher hatte der Architekt Jörg Preckel sogleich die Lacher auf seiner Seite: Herr Lohmann hat die Deutsche Bank gekauft. Gemeint war natürlich etwas deutlich Bescheideneres: Der münstersche Investor Heinz Lohmann hat das (alte) Gebäude der Deutschen Bank an der Ecke Alter Fischmarkt/Voßgasse gekauft, um das 3500 Quadratmeter große Areal neu zu bebauen. Doch der Versprecher gab den Kommunalpolitikern im Planungsausschuss sofort das richtige Signal: Der Investor bringt (viel) Geld mit und möchte an dieser städtebaulich sensiblen Stelle hochwertige Architektur schaffen. Regelrecht begeistert war denn auch ein Kommunalpolitiker, der sich ansonsten eher als Mahner versteht: Jörn Möltgen von den Grünen. Er findet den geplanten Gebäudekomplex ganz klasse und schob in einem Anflug von Lokalpatriotismus hinterher: Wir können mehr solcher Investoren gebrauchen.
Derlei eingestimmt, meinte die CDU-Ratsfrau Sybille Benning, Heinz Lohmann sei ein Freund der  Stadt, dessen Engagement nicht hoch genug einzuschätzen sei. Bei soviel Lob übernahm die SPD den Part, etwas Wasser in den städtebaulichen Wein zu gießen. Ratsherr Thomas Fastermann mahnte mehr Fahrradständer aus, sein Kollege Karl-Heinz Winter äußerte Bedenken hinsichtlich der Höhe des Eckgebäudes – und der SPD-Fraktionschef Wolfgang Heuer meinte schließlich, dem geplanten Gebäudekomplex  an der Voßgasse fehle der letzte Pfiff. Bei diesem Hinweis verzog sich die Miene des ansonsten sehr souverän auftretenden Architekten Preckel deutlich. Gleichwohl ließ er keinen Zweifel daran, dass sich im Zuge der weiteren Planungen (möglicherweise) noch vorhandene Zweifel ausräumen ließen.
Nur um eines kommt das Büro nicht umhin: Es muss eine Computeranimation erstellen, die zeigt, wie sich der Neubau allen Radlern, Fußgängern und Autofahrern präsentiert, die – von der Hörsterstraße kommend – auf den Alten Fischmarkt zufahren. Der Grund: Die Kommunalpolitiker möchten auf jeden Fall ausräumen, dass der Blick auf die Lambertikirche beeinträchtigt wird.

 

Münstersche Zeitung, 03.12.2009

 

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