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Respektabel

Die Stubengasse ist fertig, das Parkhaus am Alten Steinweg fast, die Uni plant Neubauten für Millionen von Euro – und jetzt der Alte Fischmarkt: Münster erlebt zurzeit einen Bauboom, und das in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise, die noch immer nicht vorbei ist.

Die Planungen des Familienunternehmens Lohmann sind für den Alten Fischmarkt ein Gewinn: Sie nehmen historische Bezüge auf, stellen einen Teil des alten Stadtbildes wieder her, indem sie es neu interpretieren. Der Abschluss, ein rundliches Gebäude, das sich trotzdem kühn zum Himmel reckt, ist gewagt an dieser Ecke. Es dürfte Diskussionen auslösen über die Größe und die Gestaltung. Doch niemand kann den Vorwurf machen, Lohmann plane lösgelöst von der Umgebung. Ein Vorwurf, mit dem sich vielmehr die Architekten der Stubengasse auseinandersetzen müssen.

Dass Lohmann das Projekt, ein so großes dazu, im Stillen vorangetrieben hat – selbst die Politik war nicht eingebunden – mag irritieren. Die Fraktionen könnten sich auf den Schlips getreten fühlen, die Nachbarn ebenso. Doch im Nachhinein erwies es sich als sinnvoll. In Ruhe und in westfälisch typischer Zurückhaltung wurde geplant bis ins letzte Detail. Und erst dann kam die Präsentation. So gerieten keine halbfertigen Konzepte in die Öffentlichkeit, die Gefahr, dass das Projekt zerredet würde, war gering.

Das Engagement Lohmanns am Alten Fischmarkt verdient Respekt. Auch wenn es jetzt noch die ein oder andere (Geschmacks-)Diskussion geben dürfte.

 

Münstersche Zeitung, 03.11.2009

 

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