english

Zurück in die Zukunft

40-Millionen Euro Investition: Die Unternehmensfamilie Lohmann baut den Alten Fischmarkt wieder auf.

Der Alte Fischmarkt wird in den kommenden Jahren ein völlig anderes Gesicht bekommen. Die münstersche Familie Lohmann stellte gestern ihre Neubaupläne für das Areal vor. Für 40 Millionen Euro wird sie fünf neue Giebelhäuser bauen und ein großes gewölbtes Gebäude zum Abschluss.


Bereits seit Monaten war klar, dass das Gebäude der Deutschen Bank, obwohl von Architekt Harald Deilmann gebaut, abgerissen wurde. Viele Spekulationen gab es über die wahren Pläne des Familienunternehmens Lohmann. Es sickere durch, dass es mehrere Grundstücke entlang des Fischmarktes gekauft hätte. Gestern nun die neuen Pläne: Die Altstadt bekommt ein neues Tor.

Neue, große Häuser

Der Alte Fischmarkt soll im unteren Bereich, ab der Hausnummer 7 bis zur Voßgasse, wieder das Gesicht bekommen, das er bis zum Zweiten Weltkrieg hatte: große Patrizierhäuser mit hohen Giebeln zur Straße, ähnlich dem Prinzipalmarkt. Im Krieg wurden die Häuser zerstört, die Neubauten verließen das architektonische Prinzip des Alten Fischmarktes, wie es heute noch beim Gebäude der MZ am Drubbel, der Lamberti-Apotheke oder dem Gebäude Hasadeur zu sehen ist. Das nach oben strebende, dieses ursprüngliche Motiv der Altstadt, ist verloren gegangen. Stattdessen wurden niedrige Gebäue gebaut mit vielen Gauben.

Ovaler Platz

Die neuen Häuser nehmen das alte Prinzip wieder auf; das Projekt ist ein Stück Wiederaufbau in einem Maßstab, der der Altstadt gerecht wird  und Münster so zurück in die Zukunft führt. Hinter den Häusern schafft Lohmann einen ovalen Platz. Wenn man dort sitzt, kann man St.Lamberti sehen und hat viel Sonne, verspricht Preckel. Der Alte Fischmarkt bekommt wieder einen kleinen Marktplatz. Der Paukenschlag des Projektes jedoch ist der Abschluss zur Voßgasse: Es entsteht ein kleines Hochhaus, das kühn nach oben strebt und schließlich die Höhe des Theater-Bühnenturms und der Bült-Büros aufnimmt. Die Fassaden springen unten zurück und machen den Fußgängern Platz, oben wölben sie sich nach außen. Die Fenster sind tief eingelassen in die Fassade, um die Struktur der neuen benachbarten Giebelhäuser aufzunehmen. Zur Voßgasse hin schließlich wird die Oberfläche glatt, die Fenster sitzen plan. Das Haus windet sich aus dem Alten Fischmarkt heraus, setzt rundlichen Schlusspunkt hinter die kantigen Giebelhäuser. Trotzdem: Wir wollen keine Provokation, sagt Investor Heinz Lohmann.

Vermietung beginnt

Noch gestern Abend stellten Heinz, Isabella und Patrizia Lohmann ihr Projekt den Fraktionen im Stadtrat vor, mit der Stadtverwaltung hat sich die Familie in den vergangenen Monaten eng abgestimmt, alle Neubauten befänden sich im Einklang mit geltendem Baurecht. Wir haben hier keinen Schnellschuss geplant, so Lohmann senior. Allein für die Außengestaltung des Hochhauses habe es 40 verschiedene Planvarianten gegeben. Die Vermietung der Flächen läuft in diesen Tagen an, die Häuser sollen auch dauerhaft in Familienbesitz bleiben und nicht verkauft werden, hieß es gestern.

 

Westfälische Nachrichten, 03.11.2009

 

[zurück]

 

Impressum Datenschutz