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Fischmarkt-See füllt sich mit Wasser

Grundwasser füllt die Baugrube, damit die Gebäude in der Nachbarschaft nicht beschädigt werden.

Dort, wo sich die Baugrube für ein 40 Millionen Euro teures Wohn-, Büro- und Geschäftshaus befindet, floss jahrhundertelang ein kleiner Bach. Er ist längst verschwunden – doch wie es am Alten Fischmarkt ausgesehen haben könnte, wenn er über die Ufer trat, lässt sich derzeit gut erahnen: Die elf Meter tiefe Baugrube füllt sich zusehends mit Grundwasser –  und das mit voller Absicht. Nur noch wenige Tage, dann wird sie einem See gleichen, Wassertiefe: rund 5,50 Meter. Normalerweise wird in Münster das Grundwasser aus Baugruben abgepumpt – anders am Alten Fischmarkt. Ganz bewusst haben sich die Architekten entschieden, die Grube zu fluten. „Eine andere Lösung wäre an dieser Stelle nicht möglich gewesen“, betont Architekt Jörg Preckel vom Büro Pfeiffer/Ellermann/Preckel. Hätte man das Grundwasser abgepumpt, dann wäre auch im näheren Umkreis – Preckel spricht von 50 bis 70 Metern – der Wasserspiegel gesunken. Was dann hätte passieren können, gleicht einem Horrorszenario: An Holzpfähle, die zum Beispiel tief im Boden die Fundamente der Lambertikirche stützen, wäre Sauerstoff geraten, Fäulnis hätte eingesetzt, Gebäude wären beschädigt worden – oder im schlimmsten Fall eingestürzt. Dazu wird es nun nicht kommen, betont Preckel. Während das Wasser immer mehr in die Grube fließt, holen lasergesteuerte Bagger Schlamm und Mergel aus der Grube. Sobald sie komplett mit Wasser gefüllt ist – Preckel schätzt, dass rund 13000 Kubikmeter hineinpassen –, werden Taucher anrücken und in 5,50 Metern Tiefe mit Hilfe langer Schläuche Spezialbeton auf dem Boden verteilen, der auch unter Wasser härtet. „Die Taucher werden nichts sehen, sondern nur fühlen“, sagt Preckel. Damit sie am Boden bleiben, werden sie zudem Bleigürtel tragen. Sobald die Taucher fertig sind, wird das Wasser wieder abgepumpt. „Ergebnis wird ein wasserdichter Kasten sein, in den das Gebäude eingebaut wird“, sagt Preckel. Spätestens Ende August, so seine Berechnungen, wird der See am Alten Fischmarkt wieder verschwunden sein.

WN, 03.08.2011

 

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