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Luidgers Zeitgenossen gefunden

Archäologische Sensation am Altern Fischmarkt: Gräber aus dem neunten Jahrhundert entdeckt.

Die Ausgräber haben Teile eines Friedhofs entdeckt, der möglicherweise noch zu Lebzeiten des Stadtgründers Luidger – also um das Jahr 800 – angelegt wurde. Laut Grabungsleiter Dr. Ulrich Holtfenster handelt es sich bei mehreren hervorragend erhaltenen menschlichen Skeletten „eindeutig“ um christliche Bestattungen. Wie alt die Knochen genau sind, soll nun mit Hilfe der sogenanten C-14-Methode ermittelt werden. Die Ausgräber schließen nicht aus, dass es sich bei den Toten um einige der ersten Christen nach der Missionierung Westfalens im achten Jahrhundert handeln könnte. Die mittlerweile entfernten Skelette kamen vor wenigen Wochen ans Tageslicht. „Wir waren völlig überrascht, an dieser Stelle hätten wir nie einen Friedhof erwartet“, so Holtfenster. Friedhöfe befanden sich damals grundsätzlich neben Kirchen – doch dort, wo die Archäologen fündig geworden sind, stand nie eine Kirche. Möglicherweise wurden die vier Toten – neben den drei Skeletten entdeckten die Ausgräber einen weiteren Schädel – an dieser Stelle bestattet, weil Münsters erste Kirche, Luidgers 793 gegründete Kloster, noch gar nicht fertig gestellt war. Holtfenster will solche Spekulationen vorerst nicht kommentieren. Außer Frage steht jedoch für ihn, „dass diese Menschen in der Gründungszeit Münsters beerdigt wurden“. Grabbeigaben fanden die Mitarbeiter er Stadtarchäologie nicht – auch an anderen Stellen kamen keine Schätze ans Tageslicht, obwohl hier einige Jahrhunderte später, reiche Kaufleute residierten. „Unsere Funde sind nicht von materiellen, sondern ausschließlich von wissenschaftlichem Wert“, so Holtfenster. Über dem frühmittelalterlichen Friedhof steht mittlerweile ein Baucontainer. Die Ausgrabungen am Alten Fischmarkt sind jedoch noch längst nicht zu Ende. 20 Meter entfernt haben die Archäologen Mauern aus dem 13. Jahrhundert entdeckt, Reste eines Kaufmannshauses. Besonders die in den kommenden Wochen geplanten Ausgrabungen im Hof dieses Hauses erwartet Holtfenster mit großer Hoffnung: Wie beim Friedhof ist auch dieses Areal seit der Gründung Münsters niemals bebaut worden. „Unberührtes Gelände“, schwärmt Holtfenster – etwas Aufregenderes kann es für Archäologen nicht geben.

 

MZ, 03.07.2010

 

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